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Was bleibt, ist die Angst – psychische Folgen nach Einbruch oder Überfall

Einbruch

Durchwühlte Schränke, offenstehende Fenster, Chaos und Verwüstung pur. Was sich nach einem schlechten Krimi anhört, ist für die Opfer von Einbrüchen leider oftmals Realität. Egal ob Einbruchversuch oder vollendetes Eindringen in den Wohnraum: Vielen Opfern macht ein Einbruch auch danach noch lange zu schaffen, denn die Tat bedeutet einen erheblichen Eingriff in die Privatsphäre. Den Tätern ist meist nicht bewusst, mit welchen psychischen Schäden sie die Betroffenen zurück lassen.

Mögliche psychische Folgen nach einem Einbruch

Nach einem Einbruch bleibt die Angst. Vor allem bei Einbrüchen in Privatwohnungen, aber auch bei Einbrüchen oder Überfällen in Unternehmen, sind die psychischen Folgen der Tat oft verheerender als der materielle Schaden. Angststörungen, Schlafstörungen und oft wochenlange Krankschreibungen sind nur ein paar Folgen. Das hohe Gut der Privatsphäre jedes Menschen wird mit einem Einbruch massiv beeinträchtigt. In alltäglichen Situationen macht sich plötzlich Angst breit. Das sonst so vertraute Gefühl von Sicherheit ist verloren gegangen. Aus Angst vor Wiederholungstaten ziehen sich Betroffene zurück, schließen sich ein und versuchen, mit den Folgen klarzukommen.

In einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen e.V. (KFN) wurden 2014 rund 1330 von Einbruch betroffene Personen befragt. Die Ergebnisse zeigen, wie sich ein Einbruch auf die Psyche und das Sicherheitsgefühl der Opfer auswirkt, welche Auswirkungen die Tat auf den Lebensalltag der Betroffenen hat und wie verschiedene Sicherheitsmaßnahmen präventiv vor zukünftigen Ereignissen helfen können (KFN 2014, Wohnungseinbruch: Tat und Folgen).

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der Befragten fühlen sich aufgrund der Tat zuhause nicht mehr wohl
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geben an, dass dieses Gefühl auch langfristig anhält

Psychische Belastungen

Die psychischen Folgeschäden nach einem Einbruch oder Überfall sind nur selten greifbar. Vor allem für Außenstehende ist es oftmals schwer, die Emotionen der Betroffenen nachzuempfinden. Doch die Auswirkungen auf die Psyche können hochgradig einschränkend für Einbruch- und Überfallopfer sein.

Nach der oben angeführten Studie des KFN ist die häufigste psychische Auswirkung die Unsicherheit in der eigenen, sonst so gewohnten Umgebung. Man beschäftigt sich ständig mit der Frage, ob es noch mal ein Einbrecher in den eigenen, privaten Bereich schaffen kann oder die Täter bereits einen erneuten Überfall auf das eigene Unternehmen planen. Mit dieser Frage geht ein Gefühl von Machtlosigkeit und Hilflosigkeit einher, das für Stress und Anspannung bei den Opfern sorgt. Nicht selten sind Schlafstörungen und Albträume eine Folge, die den kompletten Rhythmus betroffener Menschen bestimmt. Man sieht sich plötzlich mit der Tatsache konfrontiert, selbst in einem so geschützten Raum wie der eigenen Wohnung oder dem gewohnten Umfeld, nicht mehr sicher zu sein. Die Konfrontation mit diesen Emotionen sorgt für täterbezogenen Hass, Unsicherheit im Umgang mit anderen Menschen oder Verdrängung des Geschehenen. Nimmt man sich der Tatsache an, dass fremde Menschen sich an den privatesten Bereichen zu schaffen gemacht haben, empfinden viele Opfer Ekel und Erniedrigung. In ihrer Hilflosigkeit passen sie ihr Verhalten der Situation an.

Verhaltensänderung nach einem Einbruch

Psychische Folgen nach Einbruch oder Überfall

Vor allem unmittelbar nach der Tat werden solche Verhaltensänderungen deutlich. Opfer berichten davon, dass sie in ihr eigenes Zuhause oder an ihren sonst gewohnten Arbeitsplatz ungern zurückkehren, sich nicht mehr gern dort aufhalten. Die pedantische Kontrolle, ob Türen und Fenster auch wirklich verschlossen sind, entwickelt sich zu Zwängen. Die Reinigung von Kleidung und des gesamten Haushaltes trägt zumindest ansatzweise zu einem besseren Gefühl bei, da man so etwas von der Tat „reinwaschen“ kann. Langfristige Folgen und Verhaltensänderungen zeigen sich vor allem bei vollendeten Einbruchversuchen mit Eindringung in den Wohnraum.

Vor allem aber auch in der Freizeit lassen sich Opfer von Einbrüchen und Überfällen von den Folgen der Tat leiten. Lange geplante Ausflüge werden verschoben, Urlaube abgesagt. So umgeht man längere Abwesenheit und damit die Möglichkeit eines eventuell neuen Einbruchs. Das kann schon bei Kleinigkeiten im Alltag beginnen, etwa, wenn man sich nur noch zuhause verabredet, nicht mehr bei Freunden trifft. Alles nur, um einen permanenten Blick auf die Umgebung zu behalten. Finden doch Reisen statt, versucht man diese Information möglichst verhalten zu kommunizieren, damit niemand Fremdes mitbekommt, dass der Wohnraum leer steht. Nicht selten geht ein Einbruch auch mit Krankschreibungen für Arbeit, Universität oder Schule einher. Zeit, die zur psychischen Bewältigung des Vorfalls benötigt wird.

In zahlreichen Fällen ist für die Opfer eines Einbruchs der Umzug in eine neue Wohnumgebung oder der Wechsel des Arbeitsplatzes nach einem Überfall die logische Konsequenz. Nur so können sie die traumatischen Erlebnisse hinter sich lassen. Das Gefühl von Unsicherheit in den eigenen vier Wänden oder der gewohnten Arbeitsumgebung drängt dazu. Die Wohnung erinnert zu sehr an die Tat. Teilweise berichten die befragten Einbruchopfer auch von einem Gefühl, als wäre der Täter noch im Haus. Dadurch entstehen Unruhe und Umtriebigkeit in einem eigentlich sonst so geschützten Lebensraum. Dieses Gefühl kann sogar durch einen starken Ekel begünstigt werden, der sich ausbreitet, wenn man sich nach einem Wohnungseinbruch weiterhin in der Wohnung aufhalten muss. Der Gedanke daran, dass die Täter sich an den eigenen Habseligkeiten zu schaffen gemacht haben, kann lähmend für manche Opfer wirken.

Viele Betroffene überdenken nach einem vollendeten Einbruch oder einem gelungenen Überfall ihr eigenes Sicherheits- und Präventionsverhalten. Sie beginnen Lichter brennen zu lassen, wenn sie nicht zu Hause sind oder lassen Radio und Fernseher laufen. Das soll potenziellen Einbrechern suggerieren, es wäre jemand im Gebäude. Kleine Sicherheitsmaßnahmen wie das Abschließen der Wohnungstüre bekommen schließlich ein hohes Gewicht. Nicht zuletzt die Ausstattung der Wohnung oder des überfallenen Unternehmens mit mechanischen und elektronischen Sicherheitssystemen zeigt einen starken Willen, das Geschehene nicht wieder passieren zu lassen.

“Was bleibt, ist die Angst”

Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)

Einbrüche und schwere Überfälle sind extreme Ereignisse mit bedrohlichem Charakter für Leib und Leben. Neben den akuten Auswirkungen solcher Delikte treten massive psychische Reaktionen oft auch verspätet auf. Dazu zählt auch die Entwicklung einer sogenannten Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) infolge eines Einbruchs oder Überfalls. Die Betroffenen erleben Angstgefühle, Schutzlosigkeit und Kontrollverlust. Markante Symptome sind das Gefühl des Wiedererlebens durch belastende Erinnerungen, Rückblenden und Albträume. Aber auch Vermeidungsstrategien, wie Gleichgültigkeit, Teilnahmslosigkeit oder Abstumpfung, gehen damit einher. Nicht zuletzt deuten körperliche Überreaktionen wie Schlafstörungen, Schreckhaftigkeit oder erhöhte Wachsamkeit auf eine PTBS hin. Das Vertrauen in sich selbst und andere ist nachhaltig gestört, auch mit Schuldgefühlen müssen Betroffene häufig kämpfen.

Die Behandlung einer posttraumatischen Belastungsstörung nach einem emotional stark beanspruchenden Ereignis, wie einem Einbruch, sollte frühzeitig und umfassend geschehen. Die professionelle Betreuung der Opfer durch einen ausgebildeten Psychiater kann ambulant erfolgen. Eine Therapie sollte vorrangig das Trauma selbst fokussieren. Die Ziele sind die Kontrolle über Erinnerungsschübe zu erhalten, körperliche Begleitsymptome abzubauen, das Geschehnis als Teil der Lebensgeschichte zu akzeptieren, ein psychosoziales Funktionieren zu gewährleisten und langfristig die Arbeitsfähigkeit wiederherzustellen.

Der Einbruch in den individuellen Schutz- und Rückzugsraum kann einen Schock bei den Betroffenen auslösen, bei dem eine PTBS eine mögliche Folge ist. Bereits bei ersten Anzeichen oder Vermutung einer Posttraumatischen Belastungsstörung ist es ratsam, einen professionellen Therapeuten hinzu zuziehen.

Infos & Hilfestellen

Hier finden Sie eine Auswahl an Hilfsorganisationen, Foren und Kontaktstellen, an die Sie sich als Betroffener von Einbruch und Überfall wenden können.

Wie Sie sich präventiv schützen können

Wer einmal einen Einbruch oder Überfall erleben musste, ist ein Leben lang damit konfrontiert. Die Angst vor Einbrechern bleibt. Eine der schlimmsten Vorstellungen ist es dabei, noch mal in eine solche Situation zu geraten. Damit sich solche traumatischen Erlebnisse nicht wiederholen und auch um sich präventiv vor einem ersten Einbruch zu schützen, gibt es zahlreiche Maßnahmen.

Hilfe für Einbruchopfer

Keiner sollte nach einem psychisch belastenden Einbruch alleine zurechtkommen müssen. Im Internet existieren zahlreiche Foren für Opfer von Einbruch und Überfall. Diese bieten die Möglichkeit, sich unter Gleichgesinnten zu besprechen und Erfahrungen mit psychischen Folgeschäden nach einem Einbruch auszutauschen. Wenn Sie unabhängige Hilfe in Anspruch nehmen wollen, finden Sie hier einige Stellen, an die Sie sich als Opfer von Einbruchgewalt wenden können:

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WEISSER RING e. V.

Bundesgeschäftsstelle
Weberstraße 16
55130 Mainz

06131 – 8303 0
info@weisser-ring.deWeißer Ring e.V. »

Icon Schild rot

PTBS Forum

Selbsthilfeforum zum Thema Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) für Betroffene und InteressiertePTBS Forum »
Icon Schild rot

Für Angehörige

Ein Leitfaden für Angehörige im Umgang mit Traumatisierten.Über den Umgang mit Traumatisierten »
Icon Schild rot

Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes

Zentrale Geschäftsstelle
Taubenheimstraße 85
70372 Stuttgart

0711 – 5401 2062
info@polizei-beratung.dePolizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes »

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ado - Arbeitskreis der Opferhilfen in Deutschland e.V.

Oldenburger Str. 38
10551 Berlin

0176 – 60357576
info@opferhilfen.deado e.V. »

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ANUAS e.V.

Gemeinnützige, bundesweite Betroffenen-Opfer-Hilfsorganisation.Anuas e.V. »
Icon Information

Kurz und knapp

Einbrüche in Privatwohnungen sowie Einbrüche und Überfälle auf Unternehmen können für die betroffenen Opfer langwierige Folgen haben. Die psychischen Folgeschäden sind dabei meist gravierender als der substanzielle Schaden. Durch das Eindringen in die sonst gewohnt sichere Umgebung verlieren die Betroffenen nach einem Einbruch oder Überfall oftmals ihr natürliches Sicherheitsgefühl. Angststörungen, Schlafstörungen und oft wochenlange Krankschreibungen können die Folge sein. Das hohe Gut der Privatsphäre jedes Menschen wird mit einem Einbruch massiv beeinträchtigt. In alltäglichen Situationen macht sich plötzlich Angst breit. Die Umstände der Tat können zu psychischen Belastungen und Verhaltensänderungen bei Arbeit, Freizeitaktivitäten oder im Umgang mit anderen Menschen führen. Extreme Ereignisse wie ein Einbruch in Privatbesitz oder ein Überfall am Arbeitsplatz können Posttraumatische Belastungsstörungen (PBTS) hervorrufen. Die Bewältigung sollte dann unbedingt von einem professionellen Psychotherapeuten begleitet werden. Aber auch der Rückhalt und die Unterstützung von Familien und Freunden tragen zur Bewältigung bei. Um es nicht zu einem erneuten Kriminaldelikt kommen zu lassen, lohnen sich mechanische und elektronische Einbruchschutzlösungen.

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