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Kriminalitätsmonitor NRW

Einbruch & Einbrecher, Sicherheit & Recht

Studien der Polizei NRW zum Wohnungseinbruch

Bisher gab es lediglich Studien kleineren Umfangs, in denen die gesamte Entwicklung der Einbrüche in einzelnen Städten aufgezeigt wurde. Nun liegt mit dem Kriminalitätsmonitor NRW eine Studie der Kriminalistisch-Kriminologischen Forschungsstelle (KKF) des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen vor, bei der die Entwicklung der Kriminalität in einem gesamten Bundesland erfasst wurde. In Bezug auf das Delikt Wohnungseinbruch wurden zeitliche Entwicklungen, Risikofaktoren, das Anzeigeverhalten der Geschädigten, deren Zufriedenheit mit der polizeilichen Bearbeitung von Anzeigen sowie mit der Prävention in Sachen Wohnungseinbruch untersucht. So handelt es sich bei dem Kriminalitätsmonitor NRW um die erste Dunkelfeldstudie in Deutschland, die für ein gesamtes Land als repräsentativ für die deutschsprachige Bevölkerung zwischen 18 und 75 Jahren gilt. Auf Basis einer Opferbefragung aus den Jahren 2007, 2008, 2009 und 2011 wurde in der Studie die Kriminalitätsentwicklung innerhalb von fünf Jahren abgebildet. Die Kriminalisten haben, zumindest für den analysierten Zeitraum, eine Zunahme der Fallzahlen bei Wohnungseinbrüchen vor allem in den Herbst- und Wintermonaten beobachtet. Vor dem Hintergrund sind Interviews mit Einbruchsopfern geführt worden, unter anderem darüber, wie sinnvoll sie die Nachrüstung von professionellem Einbruchschutz an Gebäuden und Wohnungen mittels Sicherheitstechnik wie Alarmanlagen empfinden.

Nach welchem Auswahlverfahren wurde die Studie durchgeführt?

Um im Rahmen der Feldstudie möglichst aussagekräftige Daten zu erhalten, wurde unter anderem eine Trennung von Diebstählen aus Kraftfahrzeugen, Wohnungseinbrüchen und dem schwereren Fall des Raubs vorgenommen. Gesichtet wurden die Zahlen von knapp der Hälfte aller Polizeibezirke in Nordrhein-Westfalen. Die Auswahl der Polizeibezirke erfolgte nach der durchschnittlichen Kriminalitätsbelastung in den letzten Jahren. Befragt wurden Personen im Alter zwischen 18 und 75 Jahren.

Welche Ergebnisse brachte der Kriminalitätsmonitor NRW?

Fakt ist, dass eine Einbruchmeldeanlage in einer Mietswohnung ebenso wichtig ist wie in einem Eigenheim. Nach der Erhebung liegt die Zahl der durch Wohnungseinbrüche Geschädigten deutlich höher als die Zahl der Opfer, die durch Einbrüche in ein Ein- oder Zweifamilienhäuser geschädigt werden. Dass die Täter nahezu ungehindert vorgehen können, liegt nicht zuletzt daran, dass bei versuchten Wohnungseinbrüchen häufig keine Anzeige erstattet wird und somit keine Ermittlungen stattfinden können. Die letzte Opferbefragung aus dem Jahr 2011 ergab, dass lediglich knapp 35 Prozent aller Betroffenen eines versuchten Wohnungseinbruchs eine Anzeige erstatten. War ein Wohnungseinbruch erfolgreich, gehen durchschnittlich knapp neun von zehn Betroffenen zur Polizei. Vor dem Hintergrund scheint die bisherige Aussage, rund 40 Prozent der Einbrüche endeten im Versuch, zumindest fragwürdig. Wenn laut Opferbefragung ein Großteil der Einbruchsversuche nicht angezeigt wird, so ist die Aussagekraft über den Anteil der Einbruchsversuche an der Anzahl sämtlicher Einbrüche (inklusive Versuche) ebenso beschränkt.

In großen Kommunen ist die Zahl der Wohnungseinbrüche besonders hoch

Wer glaubt, dass er auf Sicherheitstechnik verzichten kann, weil er in einem dicht besiedelten Gebiet lebt, wo viele Nachbarn auf Einbruchversuche aufmerksam werden könnten, unterliegt nach den Ergebnisse des Kriminalitätsmonitors NRW einem fatalen Irrtum. Das Gegenteil ist der Fall. Die Häufigkeit von Wohnungseinbrüchen nimmt mit den steigenden Einwohnerzahlen einer Kommune zu. Hier nutzen die Täter die Anonymität aus. Besonders in Gebäuden mit sehr vielen Wohnungen ist es nahezu unmöglich, alle Nachbarn zu kennen. So können die Einbrecher ungehindert in die Gebäude eindringen und mit der Beute unerkannt flüchten. Passanten in Treppenhäusern und Fluren, so das Kalkül der Einbrecher, mögen davon ausgehen, dass es sich bei den Tätern ebenfalls um Bewohner oder deren Verwandte handele. Das führt dazu, dass den Einbrechern wohl kaum Beachtung geschenkt wird. Die Konsequenz ist, dass diese Zeugen später kaum Täterbeschreibungen liefern können.

Welche Stockwerke sind von Einbrüchen besonders betroffen?

Laut Kriminalitätsmonitor NRW sollten vor allem die Bewohner in Erdgeschosswohnungen auf einen effizienten Schutz durch abschließbare Fenstergriffe, sichere Schlösser und Beschläge für die Türen sowie durch eine komplexe Alarmanlage nicht verzichten. 3,7 Prozent der Befragten, die in einer Erdgeschosswohnung in einem Mehrfamilienhaus leben, gaben in der Opferbefragung an, innerhalb eines Zeitraums von 18 Monaten Opfer eines Wohnungseinbruchs geworden zu sein. Souterrainwohnungen wurden in der Feldstudie nicht gesondert erfasst, aber dort dürften die Zahlen der Wohnungseinbrüche ebenso hoch sein, da diese Lage den Einbrechern ähnliche Vorteile wie im Erdgeschoss bietet. Hier müssen sie in der Regel nicht einmal zufällige Passanten im Treppenhaus fürchten, während sie sich an den Türen zu schaffen machen. In höheren Etagen von Mehrfamilienhäusern bleibt es in rund 71 Prozent aller Fälle durch Störungen beim Einbruchsversuch. Im Erdgeschoss sind dagegen 45 Prozent aller Einbruchsversuche erfolgreich. Als Gründe gibt die Studie an, dass Erdgeschosswohnungen außer der Wohnungstür weitere leicht erreichbare Zugangswege wie beispielsweise Terrassentüren haben. Das heißt in der Konsequenz, dass genau an diesen Stellen der Einbruchschutz deutlich verstärkt werden muss. Im Zuge einer Recherche lassen sich hierzu für Verbraucher zahlreiche Tipps für Maßnahmen der Einbruchsicherung finden. Letztlich ergab die umfangreiche Opferbefragung aber auch, dass die Wahrscheinlichkeit Opfer eines Einbruchs zu werden im Erdgeschoss um über 50 Prozent höher liegen als in höheren Etagen.

Zahl der Haushaltsmitglieder führt zu unterschiedlichen Einbruchsraten

Anhand der Opferbefragung wurde ermittelt, dass die Einbrecher neuerdings Haushalte bevorzugen, in denen mehrere Personen leben. Offenbar vermuten sie dort mehr lukrative Beute als im Haushalt von Einzelpersonen. Dass darin eine gewisse Logik liegt, ist unbestritten. In Mehrpersonenhaushalten mag es beispielsweise mehrere Handys, Tablets, Computer und Fernseher geben. Auf den ersten Blick etwas kurios ist der Fakt, dass Haushalte mit einem geringen Einkommen ebenfalls häufiger von Einbrechern heimgesucht werden als Haushalte mit höherem Einkommen. Die dahinter steckende Logik offenbart sich auf den zweiten Blick. Einkommensschwache Familien verzichten aus Kostengründen häufig auf Sicherheitstechnik wie beispielsweise eine Einbruchmeldeanlage. Andererseits ist die Anzahl der erfolgreichen Einbrüche bei den Besserverdienenden höher als bei den Haushalten mit geringem Einkommen. Dort liegt der Fakt zugrunde, dass die Wohnungen und Häuser von Besserverdienenden deutlich häufiger von Einbrecherbanden als von Einzeltätern angegriffen werden.

Gewohnheiten spielen bei Einbrüchen eine wichtige Rolle

Wer regelmäßig zu bestimmten Zeiten das Haus oder die Wohnung verlässt, um zur Arbeit zu gehen oder an Veranstaltungen von Vereinen teilzunehmen, weist laut Erhebung statistisch ein höheres Risiko für einen Wohnungseinbruch auf als jemand, der zu unregelmäßigen Zeiten ausgeht. Das zeigt, dass ein erheblicher Teil der Täter die Opfer vor dem Wohnungseinbruch beobachtet.

Wie ist der Stand bei der Einbruchhemmung in NRW?

Im Rahmen der Feldstudie wurde in der Opferbefragung auch ermittelt, welche Maßnahmen die Opfer gegen Einbrüche getroffen haben. Dabei wurde deutlich, dass die Ausstattung mit Sicherheitstechnik noch große Lücken aufweist. So gaben nur 12,8 Prozent der Befragten an, eine Alarmanlage zu besitzen. 69,1 Prozent der Probanden haben als Abschreckung zumindest eine durch Bewegungsmelder gesteuerte Außenbeleuchtung angegeben. Zeitschaltuhren zur Simulation anwesender Personen im Haus oder der Wohnung nutzen 39,7 Prozent. Mit hochwertigen Schlössern und Gittern haben 69,1 Prozent der Befragten ihr Eigentum gesichert. Auffällig ist die Tatsache, dass nur rund 65,5 Prozent der Probanden sichere Schlösser und Gitter als eine Selbstverständlichkeit beim Einbruchschutz ansehen. Kurioserweise wurde trotz des Umstands, dass kaum ein Befragter eine Alarmanlage besitzt, diese bei etwa der Hälfte der Befragten als Selbstverständlichkeit zur Prävention gegen Einbrüche genannt.

Fazit

Die Polizei setzt auf Aufklärung und rät von Panikmache ab. Zudem rät die Polizei grundsätzlich dazu, jeden Einbruch und ebenso jeden Einbruchsversuch anzuzeigen. Neben dem Kriminalitätsmonitor NRW geht die Polizei auch andere Wege, um mittels moderner Technik die Verhaltensweisen der Einbrecher nachvollziehen zu können. So finden mit der Software Precobs bereits in einigen Regionen in Deutschland Testphasen zum Thema Predictive Policing statt. Bei Predictive Policing werden historische Werte aus der polizeilichen Datenbank und anderen Quellen herangezogen, um Aussagen über die Wahrscheinlichkeit zukünftiger Einbrüche tätigen zu können und Taten in bestimmten Regionen vorherzusagen. Zusätzlich betreibt die Polizei Aufklärungskampagnen wie Riegel vor! und K-Einbruch. Auch fördert sie Initiativen wie Nicht bei mir – Initiative für aktiven Einbruchschutz, die sie 2005 gemeinsam mit dem Verband VdS ins Leben gerufen hat, und die mittlerweile auch von Verbänden wie dem GDV Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. und dem BHE Bundesverband Sicherheitstechnik e.V. unterstützt wird.

Quelle:
Landeskriminalamt NRW (2015). Kriminalitätsmonitor NRW. Wohnungseinbruch: Risikofaktoren, Anzeigeverhalten und Prävention. Düsseldorf.

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