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Gaunerzinken – Kommunikationswege für Einbrecher

Einbruch

Fast unauffällige Zeichen an der Fassade oder der Haustür, am Briefkasten oder am Gartenzaun. Was das wohl bedeuten mag? Die kleinen Geheimcodes dienen organisierten Einbrecherbanden als Informationssystem. Als Laie steht man häufig vor einem Rätsel, doch wer solche sogenannten Gaunerzinken entdeckt sollte schnell handeln, denn die dezenten Symbole verraten Einbrechern gegenseitig wertvolle Informationen: ob es im Objekt etwas zu holen gibt, wann niemand im Gebäude ist oder wie man ins Haus gelangt. Na, Aufmerksamkeit geweckt?

Gaunerzeichen zeigen die steigende Professionalisierung

Einbrecher sind weiterhin sehr aktiv. Bundesweit und zu jeder Tages- und Nachtzeit. Auf dem Land gleichermaßen wie in Großstädten. Und obwohl die Einbruchrate zeitweise zurückgeht, sind in einzelnen Städten wie Düsseldorf die Zahlen weiter steigend. Aber vor allem auch im gewerblichen Bereich werden steigende Fallzahlen berichtet, die Dunkelziffer unbemerkter oder unaufgedeckter Taten nicht inbegriffen. Und noch schlimmer: Mit steigenden Delikten scheint auch eine beunruhigende Professionalisierung der Täter stattzufinden. Wie das deutlich wird? Gaunerzinken ist hier das Stichwort.

Was sind Gaunerzinken?

Vor allem Medien haben verstärkt über sogenannte Gaunerzinken berichtet. Diese Geheimzeichen, die bereits seit jeher von Kriminellen, Dieben und Einbrechern verwendet werden sollen, seien in letzter Zeit wieder verstärkt aufgefallen. Wie häufig diese Zinken tatsächlich eingesetzt werden, lässt sich dabei meist nicht ermitteln. Die Mythen rund um das Thema Gaunerzinken gehen bereits einige Jahrhunderte zurück. Schon das fahrende Volk im Mittelalter hat Nachrichten an Orten hinterlassen, an denen sie bereits waren, um mit andern Gruppen zu kommunizieren. Wie die Berichterstattung der Polizei zeigt, scheint sich die Vorgehensweise bis heute jedoch nicht maßgeblich verändert zu haben. Die Einbrecher gehen arbeitsteilig vor. Sogenannte Spähtrupps observieren Wohn- und Gewerbeobjekte und machen lohnenswerte Einbruchsziele wie z.B. Apotheken, Optiker, Bäckereien oder Arztpraxen ausfindig. Potenzielle Ziele eines Einbruchs werden notiert und sollen teilweise auch mit Gaunerzinken markiert werden. Anschließend übernimmt ein zweiter Trupp dieser Einbrecherbande die eigentliche Tatausführung, die Einbrüche in Wohnungen, Häuser, Büros oder sonstige Gewerbeobjekte.
Gaunerzinken dienen dabei der Kommunikation zwischen den verschiedenen Trupps einer Einbrecherbande. Die Einbrecher geben über die Zeichen Informationen und Spezifikationen des Einbruchobjektes weiter und zeigen auch an, ob sich ein Einbruch lohnt oder eben nicht.

Deutungsmuster der Zinken

Nach den aktuellen Warnungen fällt auf, dass unterschiedliche Übersichten möglicher Bedeutungen von Gaunerzinken verbreitet werden. Wie hoch der jeweilige Wahrheitsgehalt dieser Deutungen ist und die Frage, in welchem Maße Einbrecherbanden tatsächlich Geheimzeichen verwenden, kann nicht abschließend beurteilt werden. Auffällig ist jedoch, dass sich einige dieser Übersichten widersprechen oder unterschiedliche Zeichen für die gleichen Bedeutungen dargestellt werden. Vielleicht ein Merkmal dafür, dass es kein einheitliches System unter Einbrechern gibt, sondern jede Bande ihre eigenen Gaunerzinken mit bestimmten Bedeutungen versieht?

Typische Bedeutungen von Gaunerzinken, die regelmäßig verbreitet werden, sind z.B.:

  • Icon Pfeil grün
    „Vorsicht, bissiger Hund“
  • Icon Pfeil grün
    „Lohnendes Einbruchsziel“
  • Icon Pfeil grün
    „Nichts zu holen“
  • Icon Pfeil grün
    „Alleinstehende Frau“

Die bekanntesten Symbole dieser Gaunersprache sind

  • Eine gezackte Linie
  • Ein Gitter aus zwei senkrechten und einer waagerechten Linie
  • Ein Plus-Zeichen
  • Ein auf dem Kopf stehendes „T“
  • Ein Kreis mit zwei Pfeilen nach rechts

Aber natürlich gibt es noch viele mehr.

Gaunerzinken

Gaunerzinken

Gaunerzinken entdeckt, was nun?

Vor dem Hintergrund, dass viele unterschiedliche Interpretationen der Gaunerzinken existieren, ist davon auszugehen, dass es keine allgemeingültigen Erklärungen der Zinken gibt. Dazu kommt, dass unterschiedliche Gruppierungen sicherlich auch unterschiedliche und individuelle Geheimzeichen benutzen dürften, damit andere Tätergruppen bei ihren Einbrüchen nicht von der Vorarbeit profitieren. Zudem spielt die Tatsache eine Rolle, dass keine belastbaren Zahlen zu dem Phänomen Gaunerzinken existieren. So können in der Vergangenheit tatsächliche Gaunerzinken ignoriert worden sein, da von Kindermalereien oder Jugendstreichen ausgegangen wurde. Zudem können Zinken nach verübten Einbrüchen schlichtweg übersehen worden sein, so dass auch dort kein Zusammenhang herzustellen war. Insgesamt ist folglich nicht belegbar, ob und wie umfangreich Gaunerzinken überhaupt von Einbrechern genutzt werden. Somit sind die kursierenden Übersichten und Deutungsvorlagen zu Gaunerzinken zumindest mit Vorsicht zu genießen. Wichtig ist jedoch, für das Thema sensibilisiert zu sein und am eigenen Betrieb, z.B. an Fenstern, Türen und Mauern von Lager- oder Bürogebäuden, als auch an Privathäusern aufmerksam zu sein und gezielt auf Markierungen, Zinken oder eigenartige Veränderungen zu achten.

So verhalten Sie sich bei Gaunerzinken richtig

Wie soll man sich verhalten, wenn man Gaunerzinken an einem Gewerbeobjekt oder Wohnhaus entdeckt? Die Polizei empfiehlt zunächst ein Foto zu machen, um die Gaunerzinken zu dokumentieren. Anschließend solle auch die Polizei darüber informiert werden und schließlich sollten mögliche Gaunerzinken unbedingt entfernt werden.

  • Mit Fotos aus unterschiedlichen Perspektiven dokumentieren
  • Polizei informieren über Lage des Objektes und genauem Ort des Gaunerzinkens
  • Mögliche Zinken unbedingt entfernen, um keine Information an potenzielle Einbrecher zu zu lassen.

Was von Einbrecherbanden als Gaunerzinken genutzt wird

Klebeband, Plastikstreifen, Kreide und Co. – Neben den klassischen Gaunerzinken in Form von Kreidezeichen an Hauswänden oder Treppen, die lediglich die Informationen des Spähtrupps übermitteln sollen, hat sich – hauptsächlich im privaten Bereich – auch eine weitere Form von Geheimzeichen etabliert. Dabei dient diese Form der Zinken dient den Mitgliedern einer kriminellen Gruppe als Überprüfung, ob die Bewohner des Hauses oder der Wohnung derzeit z.B. verreist sind. So lassen sich kreative Täter inzwischen allerhand einfallen, um die Abwesenheit der Bewohner zu testen. Neben dem unauffälligen Zukleben des Türschlosses mit durchsichtigem Klebeband oder dem Anbringen einer Notiz (z.B. Paketabholung) wird auch immer wieder davon berichtet, dass Fußmatten umgedreht oder Blumenkästen vor die Türe gezogen werden. Sofern diese unauffälligen Vorkehrungen nach ein paar Tagen nicht wieder von Anwohnern rückgängig gemacht wurden, können sich die Einbrecher sicher sein, dass die Immobilie derzeit nicht bewohnt bzw. genutzt wird. Auch kleine, unauffällige Plastikstreifen mit einer Länge von maximal vier Zentimetern werden zu diesem Zweck eingesetzt, indem sie von außen in die Türdichtung gesteckt werden. Die Plastik-Zinken fallen herab, sobald jemand die Türe öffnet. Über diesen Weg kann ebenso festgestellt werden, ob das Haus belebt ist oder die Anwohner womöglich im Urlaub sind.

Diese Vorgehensweisen haben alle gemeinsam, dass sie weder auffällig sind, noch Verdacht bei Nachbarn schöpfen lassen. Lediglich die Täter können sich bei ihrer Rückkehr sicher sein, welche Anwohner derzeit nicht in Haus und Wohnung zugegen sind. Diese Objekte können somit gezielt und ohne der Gefahr von den Eigentümern überrascht zu werden von den Einbrechern angegangen werden.

Plastikstreifen von Einbrecherbanden

Plastikstreifen werden von Einbrechern an Türen angebracht. – Foto: Polizeipräsidium Mainz

Gaunerzinken sind immer noch ein beliebtes Mittel

Insgesamt lässt sich sagen, dass es zuletzt zwar ein starkes mediales Echo zum Thema Gaunerzinken gegeben hat. Obwohl immer wieder Zinken gesichtet werden, gibt es nur vereinzelte Fälle, die sich darauf zurückführen lassen. Leider ist es nämlich nicht immer verifizierbar, ob gesichtete Markierungen tatsächlich von Einbrecherbanden stammen. Damit ist es nicht belegbar, wie häufig Gaunerzinken tatsächlich eingesetzt werden. Inzwischen ist der Informationsaustausch zwischen Einbrechern wie vieles andere auch digitaler geworden. Die Meldungen über die geheimen Gaunerzinken sollten dennoch nicht zur Beunruhigung führen. Es ist vor allem wichtig, aufmerksam auf Gaunerzinken und sonstige Auffälligkeiten jeder Art zu achten und ein gesundes Bewusstsein für seine Umgebung zu entwickeln. Dabei ist es ebenso ratsam, Nachbarn sowohl für klassische Gaunerzinken, als auch für ungewöhnliche Veränderungen wie Klebeband, umgedrehte Fußmatten, deutlich verrückte Blumenkästen oder Plastikstreifen zu sensibilisieren.

Icon Information

Kurz & Knapp

Gaunerzinken sind unauffällige, geheime Zeichen, die von Einbrechergruppen genutzt werden, um Informationen auszutauschen. Ein erster Spähtrupp kundschaftet ein Gebäude zunächst aus, informiert sich über die Lage vor Ort und markiert das Haus beispielsweise mit Kreidezeichen. Unterschiedliche Zeichen haben für verschiedene Einbrecherbanden unterschiedliche Bedeutungen. Andere Arten von Gaunerzinken zeigen den Tätern, ob die Bewohner eines Hauses verreist sind beispielsweise Plastikstreifen, Klebeband, verschobene Blumentöpfe oder umgedrehte Fußmatten. Werden Gaunerzinken am Gebäude entdeckt, sollten diese fotografisch dokumentiert und danach direkt entfernt werden. Außerdem ist es ratsam die Polizei darüber zu informieren und eine Beratung in Sachen Einbruchschutz war zu nehmen.

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