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Gaunerzinken – Kommunikationswege für Einbrecher

Einbruch & Einbrecher

Einbrecher sind weiterhin sehr aktiv. Allein im Privatbereich hat es im ersten Halbjahr 2015 in Nordrhein-Westfalen eine Steigerung der Wohnungseinbruchdiebstähle von 15,4 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum gegeben. In einzelnen Städten wie Düsseldorf beträgt die Steigerung sogar bis zu 48 %. Auch im gewerblichen Bereich wurden steigende Fallzahlen berichtet. Nicht nur, dass die Einbruchzahlen im ersten Halbjahr 2015 in Deutschland auf ein Mehrjahreshoch geklettert sind, vielmehr scheint auch weiterhin eine beunruhigende Professionalisierung der Täter stattzufinden.

Was sind Gaunerzinken?

Zuletzt haben Medien verstärkt über sogenannte Gaunerzinken berichtet. Diese Geheimzeichen, die bereits seit jeher von Kriminellen, Dieben und Einbrechern verwendet werden sollen, seien in letzter Zeit wieder verstärkt aufgefallen. Wie häufig diese Zinken tatsächlich eingesetzt werden, lässt sich dabei meist nicht ermitteln. Die Mythen rund um das Thema Gaunerzinken gehen bereits einige Jahrhunderte zurück. Wie die Polizei Essen in einer aktuellen Warnung mitteilt, scheint sich die Vorgehensweise bis heute jedoch nicht maßgeblich verändert zu haben. Die Einbrecher gehen arbeitsteilig vor. Sogenannte Spähtrupps observieren Wohn- und Gewerbeobjekte und machen lohnenswerte Einbruchsziele wie z.B. Apotheken, Optiker, Bäckereien oder Arzpraxen ausfindig. Potenzielle Ziele eines Einbruchs werden notiert, und sollen teilweise auch mit Gaunerzinken markiert werden. Anschließend übernimmt ein zweiter Trupp dieser Einbrecherbande die eigentliche Tatausführung, die Einbrüche in Wohnungen, Häuser, Büros oder sonstige Gewerbeobjekte.

Bedeutung von Zinken

Nach den aktuellen Warnungen fällt auf, dass unterschiedliche Übersichten möglicher Bedeutungen von Gaunerzinken verbreitet werden. Wie hoch der jeweilige Wahrheitsgehalt dieser Deutungen ist und die Frage, in welchem Maße Einbrecherbanden tatsächlich Geheimzeichen verwenden, kann nicht abschließend beurteilt werden. Auffällig ist jedoch, dass sich einige dieser Übersichten widersprechen oder unterschiedliche Zeichen für die gleichen Bedeutungen dargestellt werden.

Typische Bedeutungen von Gaunerzinken, die regelmäßig verbreitet werden, sind z.B.:

  • „Vorsicht, bissiger Hund“
  • „Lohnendes Einbruchsziel“
  • „Nichts zu holen“
  • „Alleinstehende Frau“
Gaunerzinken

Gaunerzinken

Wie verhalte ich mich beim Entdecken von Gaunerzinken?

Vor dem Hintergrund, dass viele unterschiedliche Interpretationen der Gaunerzinken existieren, ist davon auszugehen, dass es keine allgemeingültigen Erklärungen der Zinken gibt. Dazu kommt, dass unterschiedliche Gruppierungen sicherlich auch unterschiedliche und individuelle Geheimzeichen benutzen dürften, damit andere Tätergruppen bei ihren Einbrüchen nicht von der Vorarbeit profitieren. Zudem spielt die Tatsache eine Rolle, dass keine belastbaren Zahlen zu dem Phänomen Gaunerzinken existieren. So können in der Vergangenheit tatsächliche Gaunerzinken ignoriert worden sein, da von Kindermalereien oder Jugendstreichen ausgegangen wurde. Zudem können Zinken nach verübten Einbrüchen schlichtweg übersehen worden sein, so dass auch dort kein Zusammenhang herzustellen war. Insgesamt ist folglich nicht belegbar, ob und wie umfangreich Gaunerzinken überhaupt von Einbrechern genutzt werden. Somit sind die kursierenden Übersichten und Deutungsvorlagen zu Gaunerzinken zumindest mit Vorsicht zu genießen. Wichtig ist jedoch, für das Thema sensibilisiert zu sein und am eigenen Betrieb, z.B. an Fenstern, Türen und Mauern von Lager- oder Bürogebäuden, als auch an Privathäusern aufmerksam zu sein und gezielt auf Markierungen, Zinken oder eigenartige Veränderungen zu achten.

Wie soll man sich verhalten, wenn man Gaunerzinken an einem Gewerbeobjekt oder Wohnhaus entdeckt? Die Polizei empfiehlt zunächst ein Foto zu machen, um die Gaunerzinken zu dokumentieren. Anschließend solle auch die Polizei darüber informiert werden und schließlich sollten mögliche Gaunerzinken unbedingt entfernt werden.

Klebeband, Fußmatten, Plastikstreifen

Neben klassischen Gaunerzinken, die lediglich die Informationen des Spähtrupps übermitteln sollen, hat sich – hauptsächlich im privaten Bereich – auch eine weitere Form von Geheimzeichen etabliert. Dabei dient diese Form der Zinken weniger der Informationsübermittlung an andere Mitglieder einer kriminellen Gruppe, als vielmehr der Überprüfung, ob die Bewohner des Hauses oder der Wohnung derzeit z.B. verreist sind. So lassen sich kreative Täter inzwischen allerhand einfallen, um die Abwesenheit der Bewohner zu überprüfen. Neben dem unauffälligen Zukleben des Türschlosses mit durchsichtigem Klebeband oder dem Anbringen einer Notiz (z.B. Paketabholung) wird auch immer wieder davon berichtet, dass Fußmatten umgedreht oder Blumenkästen vor die Türe gezogen werden. Sofern diese unauffälligen Vorkehrungen nach ein paar Tagen nicht wieder von Anwohnern rückgängig gemacht wurden, können sich die Einbrecher sicher sein, dass die Immobilie derzeit nicht bewohnt bzw. genutzt wird.

Zuletzt hat die Polizei Mainz davor gewarnt, dass kleine, unauffällige Plastikstreifen mit einer Länge von maximal vier Zentimetern von außen in die Türdichtung gesteckt werden. Diesen fallen herab, sobald jemand die Türe öffnet. Über diesen Weg kann ebenso festgestellt werden, ob das Haus belebt ist oder die Anwohner womöglich im Urlaub sind.

Plastikstreifen von Einbrecherbanden

Plastikstreifen werden von Einbrechern an Türen angebracht. – Foto: Polizeipräsidium Mainz

Diese Vorgehensweisen haben alle gemeinsam, dass sie weder auffällig sind, noch Verdacht bei Nachbarn schöpfen lassen. Lediglich die Täter können sich bei ihrer Rückkehr sicher sein, welche Anwohner derzeit nicht in Haus und Wohnung zugegen sind. Diese Objekte können somit gezielt von den Einbrechern angegangen werden.

Insgesamt lässt sich sagen, dass es zuletzt zwar ein starkes mediales Echo zum Thema Gaunerzinken gegeben hat. Obwohl immer wieder Zinken gesichtet werden, gibt es nur vereinzelte Fälle, die sich darauf zurückführen lassen, da nicht verifizierbar ist, ob gesichtete Markierungen tatsächlich von Einbrecherbanden stammen. Es ist nicht belegbar, wie häufig Gaunerzinken tatsächlich eingesetzt werden. Demnach sollten die aktuellen Meldungen nicht zur Beunruhigung führen. Dennoch ist es wichtig, aufmerksam auf Gaunerzinken und sonstige Auffälligkeiten jeder Art zu achten. Dabei ist es ebenso ratsam, Nachbarn sowohl für klassische Gaunerzinken, als auch für ungewöhnliche Veränderungen wie Klebeband, umgedrehte Fußmatten, deutlich verrückte Blumenkästen oder Plastikstreifen zu sensibilisieren. Im Zweifel rät die Polizei dazu, die Geheimzeichen zu entfernen und ggf. Rücksprache mit der örtlichen Polizeidienststelle zu halten.

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