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Einbrüche in Deutschland: KFN-Studie liefert interessante Ergebnisse

Einbruch & Einbrecher

Einbrüche in Deutschland: KFN-Studie liefert interessante Ergebnisse

Die Zahl der Wohnungseinbrüche und Hauseinbrüche ist in der Bundesrepublik Deutschland nach wie vor erschreckend hoch. Von 2005 bis 2015 war bei Einbrüchen ein Anstieg um rund 57,5 Prozent zu verzeichnen. 2016 gab es erstmals einen leichten Rückgang der Fallzahlen bei Einbruchsdelikten, der aber nicht als komplette Trendwende eingeschätzt werden kann. Fakt ist jedoch, dass die reisenden und zugereisten Täter bei der immer noch sehr hohen Zahl erfolgreicher Einbrüche eine wichtige Rolle spielen. Sie machen mehr als fünfzig Prozent aller wegen Einbruchsdelikten verurteilten Straftäter aus. Dabei fällt auf, dass die überwiegende Mehrheit der Täter mit bis zu 23 Jahren sehr jung ist.

Das veranlasste das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN), sich mit der Frage zu beschäftigen, nach welchen Kriterien die Täter die bevorzugten Regionen und Objekte auswählen. Außerdem sollte bei der Befragung von verurteilten Einbrechern Licht in die Organisationsstrukturen gebracht werden, welche von den Tätern genutzt werden. Bei der Studie wurden auch Ergebnisse bestätigt, zu denen bereits die Mitglieder einiger Sonderkommissionen der Polizeibehörden gelangt waren.

Welche Ziele verfolgte die Studie des KFN?

Neben dem Erwerb von Wissen über die Organisationsstrukturen standen einige andere Fragen im Fokus. Über der Evaluierung der Vorgehensweisen und der bevorzugten Beute sollte in Interviews mit bereits verurteilten Einbrechern geklärt werden, in welcher Weise die Beute verwertet wird. Eine weitere Frage war, warum mobile Täter Deutschland für ihre Taten bevorzugen. Außerdem wurde in den Interviews gefragt, was eine gute Abschreckung für die potentiellen Einbrecher darstellen könnte. Das heißt, die Ergebnisse der Studie sollen in erster Linie für die Verbesserung der präventiven Maßnahmen sowie zur dringend notwendigen Erhöhung der aktuell noch sehr niedrigen Aufklärungsquote verwendet werden. Um eventuell vorhandene Unterschiede bei den einzelnen Tätergruppen aufdecken zu können, wurden inhaftierte Einbrecher befragt, die aus 15 verschiedenen Ländern stammen. Dazu gehören beispielsweise:

  • Albanien
  • Georgien
  • Kosovo
  • Kroatien
  • Libyen
  • Polen
  • Rumänien
  • Serbien

Über 90 Prozent der Probanden waren männlich und zwischen 18 und 55 Jahre alt. Die Auswahl der Probanden umfasste sowohl Einzel- als auch Gruppentäter und beinhaltete einerseits Täter, die gezielt zur Verübung der Einbrüche nach Deutschland eingereist waren, sowie andererseits Täter, die mit anderen Zielstellungen in die Bundesrepublik kamen.

Mit der Studie wurde eine bestehende Wissenslücke geschlossen, denn bisherige Studien beschäftigten sich ausschließlich mit der Opferseite. Allerdings hat die KFN-Studie ein kleines Defizit, denn Sie beruhte auf Freiwilligkeit. Infolgedessen war es unwahrscheinlich, dass daran Einbrecher teilnahmen, welche in größeren Banden organisiert sind. Die Verweigerung der Teilnahme dient dann als Schutz vor der unbeabsichtigten Offenlegung der Bandenstrukturen, um deren Erfolgsquote nicht zu beeinträchtigen. Eine komplette Offenheit war ohnehin nur von den Probanden zu erwarten, welche durch die Verurteilung eine hohe Motivation zur Beendigung ihrer kriminellen Laufbahn hatten.

Welche Objekte bevorzugen die Einbrecher und welche Motivation haben sie?

13 Prozent der befragten Inhaftierten legten bei ihren Raubzügen den Fokus ausschließlich auf Gewerbeobjekte. 20 Prozent der Probanden gaben an, sowohl in Wohnungen als auch in Objekte von Gewerbebetrieben (z.B. Büros, Lagerhallen, Apotheken, Einzelhandel) eingebrochen zu haben. Mehr als 60 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, sich ausschließlich auf Wohnungseinbrüche spezialisiert zu haben. Nur einer der Befragten räumte die Beteiligung an diversen Eigentumsdelikten ein. Diese Verteilung ist nicht verwunderlich vor dem Hintergrund, dass es deutlich mehr Wohnungen und Häuser gibt als Unternehmen.

Erhebliche Unterschiede ergaben sich außerdem bei der Motivation der Täter. Bei der Studie wurden drei Hauptgruppen identifiziert. Eine Gruppe beging die Einbrüche nach eigenen Angaben aus der Not heraus. Eine zweite Gruppe gab als Ziel der Einbrüche den schnellen Weg zu Geld an. Eine dritte Gruppe betrachtet die Begehung von Einbruchsdelikten sogar als ihren Beruf. Bei der dritten Gruppe ist der Professionalisierungsgrad besonders hoch. Er zeigt sich in den Organisationsstrukturen und den bei Einbrüchen verwendeten Werkzeugen. Hier finden sich auch die meisten Vertreter, die sich gezielt zur Begehung von Einbruchsdelikten auf den Weg nach Deutschland machen. Zur ersten Gruppe gehören dagegen eher Einwanderer und Flüchtlinge, die sich in Deutschland ein besseres Leben erhoffen. Sie handeln aus der Tatsache heraus, dass diese Hoffnungen oftmals nicht erfüllt werden können. Allerdings spielt hier ein weiterer Fakt eine wichtige Rolle. In diesem Zusammenhang zeigte sich, dass vor allem die Defizite bei der schnellen Integration eine nachteilige Wirkung haben können. Beim Versuch, soziale Kontakte aufzubauen, geraten die Vertreter der ersten Gruppe häufig an Kleinkriminelle, von denen sie mit der Aussicht auf Geld zur Mittäterschaft motiviert werden. Die Hauptmotivationen sind oft die pure Existenzsicherung oder die Befriedigung einer Sucht, wobei die Taten in den Interviews trotz Reue zumeist bagatellisiert wurden.

Bei der zweiten Gruppe, die schnelles Geld machen möchte, fällt auf, dass hier eine dauerhafte Verlegung des Wohnsitzes von vornherein nicht geplant ist. Bei ihnen spielt die Existenzsicherung als Motiv keine Rolle, sondern das Streben nach leicht verfügbarem Luxus steht im Vordergrund. Sie zeigen weniger Reue als diejenigen, von denen die Einbrüche aus purer Not heraus begangen werden. Die geldgierigen Einbrecher sind bedeutend besser organisiert und agieren häufiger in Gruppen. Außerdem findet sich in der zweiten Gruppe ein hoher Anteil von Tätern, bei denen Beschaffungskriminalität zur Befriedigung einer Sucht praktiziert wird. Ergänzend spielt dort der Wunsch eine Rolle, innerhalb des Umfelds einen bedeutenden wirtschaftlichen Status zu zeigen. Das macht sich auch in einer negativen Gruppendynamik bemerkbar. Auch von dieser Tätergruppe wird das Ausmaß der Kriminalität der Taten heruntergespielt, indem auf den Leichtsinn oder die Fahrlässigkeit der Opfer verwiesen wird.

Was kennzeichnet die Berufseinbrecher?

Die Befragten, die ihre kriminellen Handlungen als Beruf betrachten, erlernen die für Einbrüche benötigten Fähigkeiten zumeist schon in ihrer Herkunftsfamilie. Das bedeutet, dass Eltern, Geschwister und andere Verwandte negative Vorbilder darstellen. Die hauptberuflichen Einbrecher sind regelmäßig in umfangreiche kriminelle Strukturen eingebunden und betrachten die von anderen Mitgliedern der Einbrecherbanden gelehrten Fähigkeiten als eine Art Berufsausbildung. Die Strafverfolgung stellt für sie ein in Kauf zu nehmendes Berufsrisiko dar. Das führt dazu, dass von ihnen erfolgreiche Einbrüche sogar als hochqualifizierte Arbeit wahrgenommen werden. Reue und Einsicht darf von den Vertretern dieser Tätergruppe nicht erwartet werden, es sei denn, sie sind mehrmals kurz nacheinander auf frischer Tat ertappt und mit längeren Gefängnisstrafen belegt worden.

Die Karrieren solcher Berufseinbrecher spielen bei den hohen Einbruchszahlen in der Bundesrepublik Deutschland eine gravierende Rolle. Das wird an den Ermittlungserfolgen der Münchener Sonderkommission „Cucina“ deutlich, die durch puren Zufall einem Familienclan auf die Spur kam, der von Kroatien aus europaweit agiert. Ihm schreiben die Ermittler bis zu einem Fünftel aller im Sommer 2016 in Deutschland begangenen Wohnungseinbrüche zu. Allein den drei festgenommen jungen Mädchen konnten mehr als ein Dutzend Wohnungseinbrüche im Raum München zweifelsfrei nachgewiesen werden. Aktuellen Erkenntnissen zufolge sieht es so aus, als hätte der mit ihnen verbundene Familienclan in der Region München bis zu hundert Einbrüche binnen Jahresfrist begangen. Die Ermittler der Sonderkommission gehen davon aus, dass die gesamte Einbrecherbande mehrere hundert Mitglieder hat, die über Familienclans das Territorium in Europa unter sich aufgeteilt hat.

Welche Konsequenzen müssen aus der KFN-Studie gezogen werden?

Die aus der Studie zu ziehenden Schlussfolgerungen umfassen zwei Bereiche. Die Zahl der Einbruchsdelikte der aus der Not heraus handelnden Gruppe könnte durch eine verbesserte Aufklärung sowie eine schnellere und effizientere Integration von Zuwanderern verringert werden. Die Studie belegte demnach, dass bei dieser Tätergruppe die Kontakte zum kriminellen Milieu auch den sprachlichen Barrieren geschuldet sind.

Vor den Taten durch Einbrecher aus den beiden anderen Tätergruppen lässt sich lediglich dadurch schützen, dass Wohnungen, Häuser und Gewerbebetriebe mit professionellem Einbruchschutz und Sicherheitstechnik aufgerüstet werden. Dafür stehen die unterschiedlichsten mechanischen und elektronische Lösungen zur Verfügung, die einzeln oder in Kombination angewendet werden können. Damit würde den Tätern auch eine Motivation genommen werden. Viele der Probanden gaben – wie bereits erwähnt – in den Interviews eine Mitschuld der Opfer durch eine mangelhafte Sicherung ihres Eigentums an. Diese vermeintliche Rechtfertigung würde den Tätern mit einer Verbesserung der Einbruchsprävention genommen werden. Sie müssten eine höhere moralische Hürde nehmen. Außerdem bewirkt ein guter Einbruchschutz, dass den potentiellen Tätern deutlicher bewusst wird, dass sie eine strafbare Handlung begehen.

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Kurz und knapp

In einer neuen KFN-Studie wurden verurteilte Einbrecher aus unterschiedlichen Ländern zu ihren Motiven, Vorgehensweisen, Zielen und Organisationen befragt. Viele der Ergebnisse bestätigen die bereits gewonnenen Erkenntnisse einzelner Sonderkommissionen der Polizeibehörden.

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